Als ich auflegte, schrieb ich die Nummer sofort auf einen Zettel. Ich wusste nicht, ob ich das Geld jemals wiedersehen würde. Aber zum ersten Mal an diesem Abend hatte ich etwas getan, das nicht von Gregs Erklärung, seiner Erlaubnis oder seiner Bereitschaft abhing, mir die Wahrheit zu sagen.

Ich hatte angefangen, selbst nach Antworten zu suchen.

Kapitel 3 – Der Name auf dem Konto

Gegen halb neun verabschiedeten sich die letzten Gäste.

Die Fotografin versprach, mir die Bilder in den nächsten Tagen zu schicken. Paul umarmte mich an der Tür und sagte, das Essen sei fantastisch gewesen. Bev blieb noch eine Weile, um mir beim Aufräumen zu helfen.

Ich stellte Teller in die Spülmaschine und hörte, wie sie hinter mir eine Schublade schloss.

„Dana“, sagte sie schließlich, „du weißt, dass du mich anrufen kannst, wenn etwas nicht stimmt, oder?“

Ich hielt einen Teller in der Hand.

„Warum sagst du das?“

„Weil ich dich kenne.“

„Das beantwortet meine Frage nicht.“

Bev schwieg.

Ich drehte mich zu ihr um. „Hast du etwas über Greg gehört?“

Ihr Gesicht veränderte sich kaum, aber ich sah, dass sie überrascht war.

„Was meinst du?“

„Ich meine, ob du in den letzten Monaten mit ihm gesprochen hast.“

„Nicht wirklich. Warum?“

Ich hätte ihr die Screenshots zeigen können. Ich hätte ihr sagen können, dass ein Fremder mehr als hunderttausend Dollar aus dem Studienfonds meiner Tochter erhalten hatte. Aber irgendetwas hielt mich zurück.

Vielleicht war es die Angst, dass sie mir eine Antwort geben würde, die ich nicht hören wollte.

„Ich habe einige ungewöhnliche Banktransaktionen entdeckt“, sagte ich schließlich.

Bev stellte das Geschirrtuch ab.

„Was für Transaktionen?“

Ich zeigte ihr eine der Buchungen.

Sie las den Namen.

Dann las sie ihn noch einmal.

„R. Cole“, flüsterte sie.

„Du kennst ihn?“

„Nein. Ich meine … der Name sagt mir nichts.“

Sie gab mir das Handy zurück.

Ich nahm es nicht sofort an. „Bev, du hast gerade so reagiert, als hättest du diesen Namen schon einmal gehört.“

„Das habe ich nicht.“

Sie griff nach ihrer Tasche.

„Ich sollte gehen. Es ist spät, und ich muss morgen früh raus.“

Sie umarmte mich flüchtig, küsste mich auf die Wange und ging.

Ich blieb in der Küche stehen und sah auf die geschlossene Tür.

Zum ersten Mal seit meiner Scheidung fragte ich mich, ob die Menschen, die mir geholfen hatten, mein neues Leben aufzubauen, vielleicht auch diejenigen waren, die einen Teil meines alten Lebens vor mir verborgen hielten.

Am nächsten Morgen wachte ich um sechs Uhr auf.

Ich machte Kaffee, setzte mich an den Küchentisch und legte alle Kontoauszüge nebeneinander. Ich wollte nicht länger nur auf die Zahl starren. Ich wollte wissen, wohin das Geld gegangen war.

Die ersten drei Überweisungen waren relativ klein. Dann wurden die Beträge größer. Einige lagen bei mehreren tausend Dollar, andere waren so hoch, dass ich mich fragte, wie ich sie hatte übersehen können.

Die Gesamtsumme belief sich auf 118.000 Dollar.

Ich öffnete meinen Kalender und verglich die Daten mit den Ereignissen des vergangenen Jahres.

Am 14. Juni war Mia gerade dabei gewesen, sich für ein Sommerprogramm an ihrer Universität zu bewerben. Am 2. September hatte sie ihr letztes Studienjahr begonnen. Am 19. Oktober hatte Greg mich angerufen, um zu fragen, ob ich die Kosten für ihr neues Lehrbuch bereits bezahlt hätte.

Ich erinnerte mich genau an dieses Gespräch.

Er hatte so ruhig geklungen.

„Wir müssen darauf achten, dass wir für Mia genug zurücklegen“, hatte er gesagt.

Damals hatte ich mich sogar bei ihm bedankt, weil er sich um ihre Zukunft zu kümmern schien.

Jetzt saß ich da und las die Überweisungen erneut.

Vielleicht hatte ich mich nicht nur in meinem Mann getäuscht.

Vielleicht hatte ich mich in dem Bild getäuscht, das ich von unserer gesamten Familie hatte.

Kapitel 4 – Gregs Stimme

Ich rief Greg um 9.17 Uhr an.

Er nahm beim dritten Klingeln ab.

„Dana? Was gibt’s?“

Seine Stimme klang wie immer. Gelassen, ein wenig ungeduldig, als hätte ich ihn gerade bei einer wichtigen Aufgabe unterbrochen.

Ich hasste, wie vertraut mir dieser Tonfall noch immer war.

„Wir müssen über Mias Studienfonds sprechen.“

Es entstand eine kurze Pause.

„Was ist damit?“

„Ich habe die Transaktionen überprüft.“

„Welche Transaktionen?“

„Elf Überweisungen an einen Mann namens R. Cole. Insgesamt 118.000 Dollar.“

Diesmal dauerte die Pause länger.

Ich hörte ein leises Geräusch im Hintergrund, vielleicht eine Tür, die geschlossen wurde.

„Du solltest nicht alles glauben, was du in einer Banking-App siehst“, sagte er schließlich.

Ich lachte einmal auf. Es war kein fröhliches Lachen.

„Es sind Kontoauszüge, Greg. Keine Gerüchte.“

„Ich kümmere mich darum.“

„Nein. Das wirst du nicht.“

Er schwieg.

„Ich möchte wissen, wer R. Cole ist“, fuhr ich fort. „Und ich möchte wissen, warum das Geld aus Mias Fonds überwiesen wurde.“

„Du verstehst nicht, was da passiert ist.“

„Dann erklär es mir.“

Er atmete hörbar aus.