„Sie hat mich gestoßen“, sagte sie.

Daniels Gesicht wurde blass.

„Vanessa?“

Elena nickte.

„Es war kein Unfall. Sie hat mich absichtlich gestoßen.“

Daniel hielt ihre Hand fester, ohne ihr wehzutun.

„Bist du sicher?“

Elena sah ihn an.

„Ich weiß, was passiert ist.“

Er senkte den Kopf. Für einen Moment konnte er nicht sprechen. Er wollte wütend sein, wollte sofort zur Villa zurückkehren und Vanessa zur Rede stellen. Doch er sah seine Frau an und begriff, dass sein Zorn ihr jetzt nichts helfen würde.

„Ich glaube dir“, sagte er schließlich.

Elena atmete zittrig aus.

„Ich habe Detective Ruiz angerufen.“

Daniel hob den Kopf.

„Wann?“

„Als ich am Boden lag. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich wusste, dass Vanessa alles verdrehen würde.“

Daniel sah sie mit einer Mischung aus Erleichterung und Schmerz an.

„Du hast die Polizei angerufen, während du verletzt auf dem Boden lagst?“

„Ich wollte, dass die Wahrheit festgehalten wird.“

Er küsste ihre Hand.

„Du hättest nicht allein damit sein dürfen.“

Elena sah zur Decke.

„Ich wollte nicht, dass du dich zwischen mir und deiner Familie entscheiden musst.“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Du bist meine Familie. Ich hätte dich niemals allein lassen dürfen.“

„Du konntest nicht wissen, was sie tun würde.“

„Aber ich hätte dich ernster nehmen müssen, als du mir von deinen Sorgen erzählt hast.“

Elena wollte widersprechen, doch sie war zu müde. Sie ließ ihre Augen wieder zufallen, während Daniel neben ihr sitzen blieb.

Nach einer Weile fragte er leise: „Hast du Beweise?“

Elena öffnete die Augen erneut.

„Mehr, als Vanessa glaubt.“

Sie erklärte ihm, dass sie in den vergangenen Wochen nicht nur Unterlagen über die verdächtigen Buchungen gesammelt hatte. Nach einer weiteren Drohung von Vanessa hatte sie auch begonnen, Gespräche und Ereignisse zu dokumentieren, soweit dies rechtmäßig möglich war. Sie hatte Nachrichten gesichert, Zeitpunkte notiert und die Polizei über ihre Befürchtungen informiert.

„Detective Ruiz weiß, dass Vanessa versucht, mich unter Druck zu setzen“, sagte Elena. „Er hat mir geraten, keine Beweise zu manipulieren und keine privaten Nachforschungen anzustellen, die ich nicht machen darf. Ich habe mich daran gehalten.“

Daniel hörte schweigend zu.

„Was genau ist passiert, bevor du gestürzt bist?“

Elena erzählte ihm vom Gespräch im Wintergarten, von der Mappe und von Vanessas Drohungen auf der Treppe. Sie beschrieb den Stoß so genau, wie sie konnte. Sie verschwieg auch nicht, dass sie die Hände ausgestreckt hatte, um Abstand zu schaffen.

„Ich habe versucht, sie aufzuhalten“, sagte sie. „Aber ich habe sie nicht angegriffen.“

Daniel nickte langsam.

„Ich werde das der Polizei sagen.“

„Nicht, um sie zu bestrafen, weil du wütend bist“, erwiderte Elena. „Sondern damit sie untersuchen können, was wirklich geschehen ist.“

Daniel sah sie lange an.

„Ich verspreche es.“

Noch während sie sprachen, klopfte es an der Tür.

Detective Mateo Ruiz trat ein. Er trug einen dunklen Mantel, unter dem ein schlichtes Hemd und eine Krawatte zu sehen waren. Sein Gesicht war ernst, doch seine Stimme blieb ruhig.

„Frau Howard. Herr Howard.“

Daniel stand auf.

„Wie geht es den Ermittlungen?“

„Wir haben eine Streife zum Anwesen geschickt“, sagte Ruiz. „Wir werden den Vorfall unabhängig untersuchen. Frau Howard, wenn Sie sich stark genug fühlen, würde ich gern einige Fragen stellen. Wenn nicht, können wir warten.“

Elena nickte.

„Ich kann sprechen.“

Ruiz zog einen Stuhl ans Bett, ohne ihr zu nahe zu kommen.

„Sie sagten am Telefon, Vanessa Whitmore habe Sie gestoßen.“

„Ja.“

„Können Sie beschreiben, was unmittelbar davor geschah?“

Elena erzählte den Ablauf von Anfang an. Ruiz unterbrach sie nur, wenn eine Zeitangabe oder eine bestimmte Handlung genauer geklärt werden musste. Er fragte, wo Margaret und Claire gestanden hatten, ob jemand den Streit vollständig gesehen hatte und ob es Kameras im Haus gab.

Bei der letzten Frage hob Daniel den Kopf.

„Im Eingangsbereich gibt es eine Überwachungskamera“, sagte er. „Sie erfasst die Haustür und einen Teil der Treppe.“

Ruiz notierte die Information.

„Wer hat Zugriff auf die Aufnahmen?“

„Der Sicherheitsdienst. Ich werde dafür sorgen, dass niemand etwas löscht.“

„Bitte verändern Sie nichts an den Aufzeichnungen. Wir werden die zuständigen Personen kontaktieren und die relevanten Dateien ordnungsgemäß sichern.“

Elena nickte.

„Es gibt noch etwas“, sagte sie.

Ruiz wartete.

„Vanessa hat über Monate versucht, mich als Betrügerin darzustellen. Sie hat gefälschte Dokumente benutzt, um mich mit Geldbewegungen in Verbindung zu bringen. Ich habe Ihnen die Unterlagen bereits übergeben.“

„Ich erinnere mich.“

„Ich glaube, dass der Sturz mit diesen Vorgängen zusammenhängt. Sie wusste heute, dass ich mit Ihnen gesprochen hatte.“

Ruiz machte sich Notizen.

„Wir werden die Vorfälle getrennt dokumentieren und prüfen, ob sie miteinander verbunden sind. Es ist wichtig, dass wir nicht vorschnell eine Schlussfolgerung ziehen. Aber Ihre Aussage und die bereits gesicherten Unterlagen geben uns konkrete Ansatzpunkte.“

Daniel stand neben dem Bett, die Hände zu Fäusten geballt.

„Was passiert jetzt?“