„Du hast Isabella immer verteidigt. Du hast gesagt, sie sei schwierig, aber sie meine es gut. Du hast mich gebeten, ihr eine Chance zu geben. Ich wollte nicht, dass du dich zwischen uns entscheiden musst.“
Marcus senkte den Kopf und hielt ihre Hand an seine Stirn.
„Es tut mir leid.“
„Ich wollte nur, dass wir glücklich sind.“
„Du hättest mir alles erzählen können.“
„Ich weiß.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Aber ich wollte nicht, dass unsere Ehe von Streit bestimmt wird.“
Marcus beugte sich zu ihr und küsste ihre Finger.
„Unsere Ehe wird nicht von ihren Lügen bestimmt. Und du wirst nie wieder allein mit dieser Angst sein müssen.“
Khloe atmete zittrig aus.
„Es gibt noch etwas.“
Er hob den Kopf.
„Sag es mir.“
„Isabella wusste von dem Baby, bevor wir es öffentlich bekannt gegeben haben. Sie hat mich gefragt, ob wir bereits entschieden hätten, wer sich um das Kind kümmern würde, falls mir etwas zustieße.“
Marcus erstarrte.
„Was?“
„Damals dachte ich, sie mache einen geschmacklosen Scherz. Sie sagte, sie kenne jemanden, der eine ausgezeichnete Betreuung organisieren könnte. Sie erwähnte sogar eine private Einrichtung außerhalb der Stadt.“
Marcus spürte, wie eine kalte Welle durch ihn hindurchlief.
„Welche Einrichtung?“
„Ich weiß es nicht. Sie hat keinen Namen genannt.“
Für einige Sekunden sagte keiner von ihnen etwas.
Dann legte Marcus ihre Hand vorsichtig zurück auf die Decke.
„Ich werde herausfinden, was dahintersteckt.“
Khloe sah ihn flehend an.
„Versprich mir, dass du nicht aus Wut etwas tust, das du später bereust.“
Er strich ihr über die Wange.
„Ich werde dafür sorgen, dass sie zur Verantwortung gezogen wird. Aber ich werde nichts tun, was dich oder unser Kind gefährdet.“
Khloe nickte schwach.
Als Marcus das Zimmer verließ, war seine Angst nicht verschwunden. Doch sie hatte sich verändert. Sie war nicht länger nur die Angst eines Ehemanns, der seine Frau verlieren könnte. Sie war zur Entschlossenheit eines Mannes geworden, der endlich begriff, wie lange jemand versucht hatte, seine Familie auseinanderzureißen.
David wartete bereits im Flur.
„Die Polizei ist eingetroffen“, sagte er. „Die Sicherheitsabteilung hat die ersten Aufnahmen ausgewertet.“
Marcus sah ihn an.
„Was zeigen sie?“
David reichte ihm ein Tablet.
„Sieh selbst.“
Auf dem Bildschirm erschien das Bild der Suite, aufgenommen von einer unauffälligen Kamera in der Ecke. Die Zeitangabe in der unteren Bildleiste zeigte, dass die Aufnahme knapp zwölf Minuten vor dem Notruf begonnen hatte.
Khloe stand neben einem Tisch und hielt ein Blatt Papier in der Hand. Isabella ging vor ihr auf und ab. Selbst ohne Ton war die Spannung zwischen den beiden deutlich zu erkennen.
Dann trat Isabella näher und deutete auf das Papier.
Khloe schüttelte den Kopf.
Isabella packte ihren Arm.
Marcus’ Finger krampften sich um den Rand des Tablets.
Auf dem Bildschirm riss Khloe sich los. Isabella machte einen Schritt zurück, blickte zur Tür und sah sich um. Dann griff sie nach einem Kristallglas auf dem Tisch.
Was danach geschah, ließ Marcus den Atem anhalten.
Isabella schleuderte das Glas nicht in Richtung Khloe. Sie warf es auf den Boden, direkt neben sich. Die Scherben sprangen über den Marmor.
Anschließend griff sie nach einem Stuhl und stieß ihn um.
Erst dann ging sie auf Khloe zu.
Khloe wich zurück, hob beide Hände und versuchte, Abstand zu gewinnen. Isabella drängte sie gegen die Seite des Tisches. Es folgte eine schnelle, unübersichtliche Bewegung. Khloe verlor das Gleichgewicht und stürzte.
Isabella stand einen Moment über ihr.
Dann blickte sie zur Tür.
Und erst danach begann sie zu schreien.
Marcus konnte nicht weitersehen.
Er schaltete das Tablet aus.
Sein Gesicht war vollkommen blass geworden.
„Sie hat das Glas selbst zerbrochen“, sagte er tonlos.
„Ja“, antwortete David.
„Sie hat den Stuhl umgestoßen, bevor Khloe gefallen ist.“
„Ja.“
Marcus hob langsam den Blick.
„Und dann hat sie versucht, ihr die Schuld zu geben.“
David nickte.
„Die Tonaufzeichnung bestätigt das. Sie hat Khloe mehrfach aufgefordert, die Vollmacht zu unterschreiben. Als Khloe sich weigerte, wurde Isabella aggressiv.“
Marcus ging ein paar Schritte zur Seite. Er brauchte Abstand zu dem Bildschirm, zu den Bildern, zu der Erkenntnis, dass eine Frau, der er vertraut hatte, bereit gewesen war, seine schwangere Frau zu verletzen und anschließend die Wahrheit zu verdrehen.
„Was war das für eine Vollmacht?“
„Das wissen wir noch nicht genau. Aber die Sicherheitsabteilung hat die Zugangsdaten zu den Verwaltungsräumen überprüft. Isabella war in den vergangenen Monaten mehrfach in Bereichen, in denen sie keinen geschäftlichen Grund hatte, sich aufzuhalten.“
„Warum hat niemand das gemeldet?“
„Weil sie bei jedem Besuch einen plausiblen Vorwand hatte. Einmal ging es angeblich um die Wohltätigkeitsstiftung, ein anderes Mal um eine Veranstaltung für die Klinik. Außerdem kannte sie einige Mitarbeiter persönlich.“
David machte eine kurze Pause.
„Ich habe mich zu sehr auf ihr Auftreten verlassen.“
Marcus lachte bitter.
„Dann sind wir schon zwei.“
David legte ihm eine Hand auf die Schulter.





