„Weil ich Angst hatte. Isabella hat mir erzählt, dass sie mächtige Freunde habe. Sie sagte, wenn ich ihr in die Quere käme, würde ich meine Arbeit verlieren und niemand würde mich jemals wieder einstellen.“
Detective Whitmore deutete auf den Umschlag.
„Was ist darin?“
„Ein Vertrag mit Adrian Bell. Außerdem E-Mails, in denen Isabella über eine Änderung der Begünstigten einer Familienstiftung spricht. Ich weiß nicht, ob die Dokumente echt sind. Aber ich habe gesehen, wie sie einige davon unterschrieben hat.“
David nahm den Umschlag nicht an. Stattdessen bat er die Detective, ihn als Beweismittel zu sichern.
„Haben Sie selbst erlebt, dass Isabella Frau Thorne bedroht hat?“, fragte sie.
Victoria zögerte.
„Nicht körperlich. Aber sie hat oft über Khloe gesprochen. Sie sagte, Khloe sei ein Hindernis. Dass Marcus sich nach der Geburt des Kindes völlig verändern würde und Isabella dann keinen Einfluss mehr auf ihn hätte.“
Marcus sah sie an.
„Welchen Einfluss wollte sie auf mich haben?“
Victoria senkte die Stimme.
„Sie wollte, dass Sie ihr vertrauen. Sie wollte, dass Sie glauben, Khloe sei instabil und könne keine Verantwortung für das Kind übernehmen. Sie sagte, wenn Khloe als ungeeignet dargestellt würde, könnte sie sich als die Person anbieten, die sich um das Baby kümmert.“
Im Raum wurde es still.
Marcus starrte Victoria an.
„Sie wollte mein Kind?“
„Ich weiß nicht, ob sie das Kind selbst großziehen wollte oder ob sie einen anderen Plan hatte. Aber sie sprach oft davon, dass sie eines Tages eine zentrale Rolle in der Familie spielen würde.“
David lehnte sich zurück.
„Und Adrian Bell? Was wollte er dafür?“
„Geld. Sehr viel Geld. Isabella sagte, er könne ihr helfen, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Sie sprach von einer Treuhandregelung, die es ihr ermöglichen würde, bestimmte Vermögenswerte zu kontrollieren, falls Marcus vorübergehend nicht handlungsfähig wäre.“
Detective Whitmore machte sich ausführliche Notizen.
„Haben Sie Belege für diese Aussagen?“
„In den Unterlagen sind E-Mails. Einige Nachrichten habe ich auf einem alten Computer gespeichert. Ich kann Ihnen zeigen, wo sie liegen.“
„Dann werden wir das auf legalem Weg sichern.“
Victoria wischte sich die Augen.
„Ich weiß, dass ich früher hätte handeln müssen. Ich habe mir eingeredet, dass es nur um Geld ging. Ich dachte nicht, dass jemand verletzt werden würde.“
Marcus erhob sich.
„Meine Frau liegt im Krankenhaus, weil Isabella sie angegriffen hat. Mein Kind könnte daran sterben. Sie können nicht erwarten, dass ich Ihnen einfach verzeihe, weil Sie jetzt mit Unterlagen kommen.“
Victoria nickte, ohne zu widersprechen.
„Das erwarte ich nicht. Ich wollte nur verhindern, dass noch jemand zu Schaden kommt.“
Marcus verließ den Raum, bevor er etwas sagte, das er bereuen könnte.
Auf dem Flur blieb er stehen und legte beide Hände gegen die Wand. Er musste sich zwingen, langsam zu atmen.
David trat neben ihn.
„Sie hat dir eine wichtige Information gegeben.“
„Sie hat ein Jahr lang zugesehen.“
„Ja.“
„Sie wusste, dass Isabella uns auseinanderbringen wollte.“
„Vielleicht wusste sie nicht, wie weit Isabella gehen würde.“
Marcus drehte sich zu ihm um.
„Das macht es nicht besser.“
„Nein“, sagte David ruhig. „Aber es bedeutet, dass wir zwischen den Menschen unterscheiden müssen, die den Plan entworfen haben, und denen, die sich aus Angst zu lange haben benutzen lassen. Die Ermittler werden das beurteilen.“
Marcus sah durch die Glastür zu Khloes Zimmer. Sie schlief. Ein Monitor zeichnete ihren Herzschlag auf, und eine Krankenschwester überprüfte die Infusion.
„Ich will nur, dass sie wieder gesund wird“, sagte er leise.
David legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Dann konzentriere dich darauf. Alles andere können wir Schritt für Schritt klären.“
Am Abend erhielt die Polizei eine weitere Nachricht. Adrian Bell war an seiner Geschäftsadresse nicht anzutreffen gewesen. Sein Büro war verlassen, und ein Mitarbeiter erklärte, er sei kurzfristig verreist. Die Ermittler fanden jedoch Unterlagen, die auf eine Reihe ungewöhnlicher Überweisungen hinwiesen.
Mehrere Zahlungen waren über kleine Beratungsfirmen abgewickelt worden. Ein Teil des Geldes stammte aus Konten, die mit einer Wohltätigkeitsorganisation verbunden waren, an der Isabella beteiligt gewesen war.
David ließ die Finanzabteilung der Sterling Medical Group sämtliche Transaktionen überprüfen, die mit der Stiftung in Verbindung standen. Dabei stellte sich heraus, dass in den vergangenen sechs Monaten mehrere Rechnungen für angebliche Beratungsleistungen bezahlt worden waren, obwohl keine entsprechenden Dienstleistungen dokumentiert waren.
Der Gesamtbetrag war beträchtlich.
„Das ist kein Missverständnis mehr“, sagte David, als er Marcus die Ergebnisse zeigte. „Jemand hat versucht, Geld aus der Stiftung abzuziehen.“
Marcus sah auf die Zahlen.
„Wie viel?“
„Noch nicht abschließend geklärt. Aber wir sprechen wahrscheinlich von mehreren Millionen.“
„Und Isabella?“
„Sie hatte Zugriff auf einige Unterlagen, aber nicht auf alle Konten. Wir müssen herausfinden, ob sie persönlich profitiert hat.“
Marcus schüttelte langsam den Kopf.
„Sie hat sich in unsere Familie gedrängt, unsere Dokumente durchsucht, Khloe bedroht und möglicherweise Geld gestohlen. Wie konnte ich das alles übersehen?“
David antwortete erst nach einer Weile.





